R E N A T A    J A W O R S K A
atelier@renatajaworska.com
Ein aus der Orientie

Ein aus der Orientierung geratenes System. 

Zu den aktuellen Werken von Renata Jaworska

 

 

Text: Gregor Jansen

 


Wohin geht die Reise? ist eine oft gehörte und wohlwollend gemeinte Redewendung für einen Aufbruch, Start, Neustart bisweilen oder auch Entdeckungstour oder Programmplanung. Wer auf Reisen geht entdeckt neue Regionen, Landstriche oder Länder, trifft fremde Menschen und macht neue Bekanntschaften, manchmal findet er neue Freunde. Man lernt etwas, das ist der Sinn und Zweck des Reisens, eines Erkundens oder auch des Entspannens und Urlaub-Machens. Wobei hier schon eine feine Unterscheidung zwischen Reisen und Urlaub zu machen ist. Denn man geht auf Reisen, aber man fährt in den Urlaub, was beim ersten so viel meint wie unterwegs sein als Zweck, der Weg ist sozusagen das Ziel, und beim zweiten ist die Reise der Weg/die Fahrt oder der Flug an den Urlaubsort, an dem man sich dann zwar noch mehr oder weniger bewegt, aber die Reise tritt man erst wieder zum Heimweg an.

 

Die Künstlerin Renata Jaworska ist eine Reisende durch die Zeit, auf verschiedenen Routen, die ihren Lebensweg kennzeichnen. Aber sie ist als Künstlerin auch eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Wege und Routen, dies sicher wie viele andere auch, aber sie zeichnet und malt diese Karten und Gebiete, notiert sie aus einem inneren Gedächtnis zu einem allgemeineren abstrakten, gleichwohl auch symbolischen Bild. Mitunter sieht man dann Wege, Straßen, Linien, die wie Pläne und Landkarten ihren Malgrund definieren. Ursprünglich waren Karten und Pläne gedacht um Strecken und Differenzen zu berechnen und die Orientierung in unbekanntem Gelände zu erleichtern, jedoch scheinen sie bei Renata Jaworska eher imaginierte, erfundene oder als rein abstrakte Linienraster ausgelegte Motive die Darstellung auszumachen. 

 

Auf ihren Bildern sieht man auf ein Netz aus Linien in ein bestimmtes unbestimmtes Gebiet, bisweilen auch durch dieses hindurch, eine Art transparente Folie auf dem Malgrund. Oder ein Sturm, Regen oder Hagel wirbeln als gestisch heftige Armschwünge wie wild durch den Himmel und vermischen sich mit dem kartographierten Untergrund, und bauen insgesamt im Zusammenspiel ein energetisches Spannungsfeld zwischen Bild und Betrachter, zwischen Himmel und Erde, Abstraktion und Figuration auf. Jaworska kommt von der Zeichnung und denkt auch bei größeren Gemäldeformaten stets von der Struktur einer Linie her, was den Bildern ein Grundgerüst als Struktur und eine ungemein feine Lineatur einschreibt, die unser Gehirn meist eben als kartographierte Landschaft interpretiert. Die Linien im Sinne der Zeichnung bauen die Bilder auf, und schließen sie mitunter ab, die Karten und Gebiete, die dazwischen entstehen, sind nicht wirklich vorhanden, sondern rein kognitive konstruierte Räume oder körperliche Volumen. Die Linien entstammen dem Wunsch nach Orientierung und Übersicht, sie können sich gleichmäßig fast wie ein ornamentales Muster verspannen, oder sie erscheinen wie aufgeladene Erregungsspuren, als nicht definierbare urbane, architektonisch dominerte Strukturen umgeben von Wasser, unbestimmte Natur als flächige ausgemalte Leerstellen. Inmitten der allzeit verfügbaren Karten auf Smart Phones und Apps wie Google Maps erscheinen die Zeichnungen und Gemälde von Renata Jaworska beinah wie aus der Zeit gefallen. Das Analoge ist real und subjektiv mehr als nur ein Schein der Realität  Das Malerische übernimmt die Regie und lässt uns orientierungslos, aber positiv wieder auf uns selbst zurückgeworfen zurück.....

 

Mehr im Katalog:

RENATA JAWORSKA

Malerei, Zeichnung, Bühnenbild

Original Verlag, 2019 

ISBN 9 783948 270001

 

 


 

 

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